Weingüter Mallorcas
Inzwischen gibt es auf Mallorca zwei Weinanbauzonen - die um Binissalem
(Santa Maria del Camí, Consell, Binissalem, Santa Eugènia, Sencelles) als
Vertreter der konservativen Winzer und die Pla i Llevant im Osten der Insel mit
den progressiven Vertretern (mit Manacor, Felanitx, Porreres, Petra).
Darüber hinaus gibt es einige kleine Weingüter, die sich mit dem besten der
Rioja messen können.
Neue Weinkultur in Mallorcas Kellern
Mallorquinischer Wein hat eine
jahrhundertealte Tradition, die von der Reblaus fast zerstört wurde. Doch seit
Jahren sind die Weine der Insel wieder in aller Munde, und der Weg führt ganz
steil nach oben. Was früher eine Mutprobe für Hartgesottene war, entwickelt
sich nunmehr zum Allerfeinsten.
Sehr wahrscheinlich waren es die Phönizier, die den Weinbau zu den Balearen
brachten. Die Ureinwohner der Insel waren darüber sehr erfreut, denn ihr
großer Weinkonsum ist überliefert. Unter römischer Herrschaft wurde der Wein
in den Memoiren von Plinius lobend erwähnt. Während der fünf Jahrhunderte
dauernden Herrschaft der Araber hielt sich der Weinbau nur, weil die
getrockneten Trauben ein beliebtes Lebensmittel war, aus religiösen Gründen
war der Alkohol bekanntlich verboten.
Nach der
Eroberung de spanischen Königs
Jaume I. wurden die mallorquinischen Weinbauern Lieferanten des Königshofes in
Madrid. Anfang des 19. Jahrhunderts wurden ca. 300000 Hektoliter pro Jahr
gekeltert. Heute beträgt die Produktion nur noch ein Zehntel dessen. Schuld
daran war die Reblaus, die in Europa einfiel und die Weinwirtschaft langsam,
aber sicher in den Ruin trieb. Nur drei Jahre brauchte sie , um die Weingärten
der Insel zu vernichten. Von dem Schock erholte sich der Weinanbau nur sehr
langsam.
Von Anfang bis Mitte des vergangenen Jahrhunderts wurde der Wein vor allem
privat vinifiziert. Der Touristenboom der 60er Jahre sorgte für wachsenden
Weinkonsum, obwohl die Weine zu dieser Zeit eher von minderer Qualität waren.
Der Einsatz der balearischen Regierung nunmehr anspruchsvolleren Tourismus auf
die Insel zu bringen und mit dem steigenden Niveau der Gastronomie wachsen
natürlich auch die Erwartungen an die Qualität des einheimischen Weines.
Mit der Schaffung der ersten Denominación de Origen (D.O., d.h. die Trauben
dieser Region müssen von bestimmter Qualität sein) steht ihnen eine rosige
Zukunft in Aussicht. In der Tat haben sie einen großen Sprung gemacht.
Gehörten sie bis vor kurzem noch in die Kategorie bescheidener Tafelweine und
sogenannter Schädelbrecher- gut zu trinken, aber schwer zu verkraften -,
brauchen sie heute keinen Vergleich zu scheuen. Die Entwicklung der letzten 15
Jahre verlief geradezu atemberaubend. Mit einer gehaltvollen
Qualitätsoffensive, kreativer Phantasie und Innovationen haben eine handvoll
Winzer die Insel als Anbaugebiet sozusagen aus dem Dornröschenschlaf geküsst.
Die 'jungen Wilden' beendeten den Ruf, dass die Mallorcaweine
sich höchstens zum Drachen vertreiben eigneten. Allen voran der Winzer Jaume
Mesquida aus Porreres, der als Vorreiter der Erneuerung gilt und in den 80er
Jahren damit begann, französische Rebsorten wie Merlot,
Chardonnay
sowie Cabernet Sauvignon anbaute und auch den ersten Mallorca-Sekt erschuf.
Mit dieser auch als "Frauenwein" bekannten Rebsorte(Merlot) hat
auch die Winzerin Pilar Oliver vom Weingut
Miquel Oliver recht großen Erfolg. Für den sortenreinen Aía erhielt
sie auf dem internationalen Weinsalon in Madrid die Silbermedaille.
Vor allem in der Ebene um Binissalem sorgen milde Temperaturen und
kalkhaltige Böden sowie die heißen Sommer mit geringem Niederschlag für das
gute Wachstum und erstklassige Tropfen.
Bei einer durchschnittlichen Produktion von 12000 Hektoliter bleibt für den
Export auf jeden Fall zu wenig. Da bleibt nur die Möglichkeit, die 'Vinos
Balearicos' mit dem ausgewogenen fruchtigen und nachhaltigen Bouquet auf der
Insel zu trinken.
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